Nichts für schwache Nerven!

Nichts für schwache Nerven

Dieses Spiel war nichts für schwache Nerven und wies zwei ziemlich gegensätzliche Halbzeiten auf. In der ersten Halbzeit dominierten die Warriors die Gastgeber und gingen rasch in Führung, zwei Touchdowns durch Moritz Boller und Pascal Rüegg bedeuteten eine 12:0 Führung im ersten Viertel. In beiden Fällen waren die Versuche, Extrapunkte zu erzielen, nicht erfolgreich. Eine Tatsache, die später noch sehr wichtig werden würde. 

Boller und Rüegg sorgen für Punkte

Kaum war das zweite Viertel angepfiffen griff sich Moritz Boller einen 50-Yard-Touchdown Pass von Zach Shaw und erhöhte auf 20 Punkte Vorsprung. Basel setzte kurz darauf nach und verkürzte auf 7:20. Frei nach dem Motto: “In jedem Drive einen Punkt” machten die Warriors weiter. Shaw bediente wieder Pascal Rüegg zum nächsten Touchdown und besorgte die Extrapunkte gleich selber, die Warriors führten komfortabel mit 21 Punkten Vorsprung. Im Gegenzug zeigte sich die Klasse des Basler Quarterbacks. Der Snap kam viel zu früh, der Ball flog am Spielmacher vorbei worauf er sicher gegen 10 Yards Raumverlust erlitt. Er sicherte sich den Ball, orientierte sich, sah seinen Receiver und bediente diesen völlig unerwartet mit einem weiten Pass. Da dieser bereits schon vor Überschreiten der Grundlinie zu jubeln begann, bestraften ihn die Unparteiischen mit Aberkennung des Touchdowns. Eine sehr harte Strafe, welche die Junioren der Warriors in diesem Jahr auch schon kassiert hatten. Damals kostete es den Winterthurer Nachwuchs das Spiel. Doch Basel blieb in Ballbesitz und konnte die verloren gedachten Punkte sofort nachholen. Sie setzten nun immer häufiger auf einen aufgrund seiner Masse kaum zu stoppenden Runningback. Dieser verkürzte auf 14:28. Zwei Minuten vor der Halbzeit waren die Warriors wieder in Ballbesitz. Einmal mehr war es Moritz Boller, der 65 Sekunden vor Schluss auf 34:14 erhöhen konnte. Basel zog nach und verkürzte abermals kurz vor Ende des zweiten Viertels. Zur Halbzeit stand es 34:21 aus Winterthurer Sicht. Der eigentlich komfortable Vorsprung schmolz wie Eis in der Basler Sonne. 

Warriors verschlafen Start in die zweite Hälfte

Und dieser Schmelzvorgang setzte sich nach Wiederanpfiff fort: Basel kam hellwach aus der Pause zurück während die Warriors offensichtlich trotz numerischer Überzahl noch mehr mit der Hitze zu kämpfen hatten. Nach dem ersten Punt der Warriors im ganzen Spiel, konnten die Basler das Angriffsrecht wieder übernehmen und verwerteten diese Chance zum 35:34. Zwei Basler Touchdowns gleich zu Beginn der zweiten Hälfte führten zu einem offensichtlichen Momentum shift. Plötzlich konnten die Gladiators schalten und walten wie sie wollten während den Warriors gar nichts mehr zu gelingen schien. Basel erhöhte sogar auf 42:34. Was war los mit der Winterthurer Defense? Wie schon in Genf musste Defensive Coordinator Evan Harrington auf fast das komplette Backfield verzichten. So war die Passverteidigung der Warriors arg geschwächt, auch an der Linie mussten Veränderungen vorgenommen werden, das Personal geht auf bald allen Positionen so langsam aus. Verschiedene Spieler mussten Offense wie auch Defense spielen – so war es dann auch der gelernte Tight End Timo Schneckenburger der einen Basler Pass abfangen und gleich zum Touchdown in die Endzone tragen konnte. Der Abstand verringerte sich wieder auf 2 Punkte. Auf Basler Seite fasste sich der Quarterback ein Herz, übersprintete die gesamte Winterthurer Abwehr und setzte einen weiteren Touchdown aufs Spielblatt: 49:40 für Basel. Doch die Warriors gaben nicht auf: Touchdown, der Rückstand verringerte sich wieder auf 3 Punkte. Im Gegenzug starteten die Basler kurz vor der eigenen Endzone.

D-Liner mit einem Touchdown

Defensive End Nils Werner durchbrach die Offensive Line, der Basler QB verlor aus unerklärlichen Gründen den Ball und Werner sicherte diesen in der Basler Endzone. Erneuter Führungswechsel: die Warriors lagen nun mit 52:49 im Vorsprung. Doch Basel steckte nicht auf, der Basler Quarterback machte seinen Fehler gleich selber wieder gut indem er im folgenden Drive selber den nächsten Touchdown für die Gladiators zum 56:52 erzielen konnte. Auf der Uhr waren noch knapp zwei Minuten. Sollten die eingangs erwähnten misslungenen 2-Point-Conversions nun einmal mehr den Unterschied machen? 51 Sekunden vor Schluss hatte Quarterback Zach Shaw alle Zeit der Welt. Seine Receiver liefen in Stellung, er fand Alexander Meier, eigentlich ein Rookie, der noch vor einem Jahr Unihockey gespielt hatte, und dieser brachte den Ball in die Endzone. Wieder Führung Warriors, 59:56. Doch das sollte noch immer nicht reichen. Basel stürmte erfolgreich in die Hälfte der Warriors, man entschied sich für ein Field Goal und erzielte dies aus über 30 Metern, ganze 7 Sekunden vor Schluss. Die beiden geschundenen Mannschaften mussten im Heizkessel am Rhein in die Overtime. 

Overtime: Warriors haben die Nase vorn

Zur Erinnerung: In der Overtime bekommte jede Mannschaft einmal das Angriffsrecht. Von der 25 Yard-Linie wird gestartet und man versucht Punkte zu erzielen. Basel war zuerst an der Reihe und man entschied sich nach drei erfolglosen Versuchen für ein Field Goal – was auch erfolgreich war: Basel 62, Warriors 59. Nun bekamen die Warriors noch einmal die Chance auszugleichen oder mit einem Touchdown das Spiel für sich zu entscheiden. Ein Field Goal hätte lediglich zu einer weiteren Overtime geführt, ausserdem ist bekannt, dass den Warriors ein spezialisierter Field Goal Kicker fehlt. Deshalb musste ein Touchdown her. Und tatsächlich: Von der 21 Yard Linie avisierte Quarterback Zach Shaw seinen heutigen Lieblingsreceiver Moritz Boller, dieser warf sich in die Endzone und sicherte mit einem weiteren Touchdown den Warriors Sieg in extremis. Auch wenn das Resultat für den weiteren Meisterschaftsverlauf zweitrangig war, so war deutlich zu spüren, dass diese Mannschaft den Sieg unbedingt wollte. 

Durchzogene Bilanz

Für die Warriors bedeutet der fünfte Sieg im neunten Spiel den Platz vier. Das ist klar weniger, als man sich noch vor der Saison erhofft hat. Daran dürfte sich kaum noch was ändern. Und da die Broncos bereits als Qualifikationssieger feststehen, stehen den Warriors nun noch zwei Spiele gegen die stärkste Mannschaft der Schweiz, eben die Calanda Broncos, bevor. Zuerst im regulären Heimspiel am kommenden Samstag und dann anfang Juli im Halbfinalspiel. 

Sichtbares Personalproblem

Die Warriors haben ein massives Personalproblem, sowohl in der Offense, viel stärker aber noch in der Defense. Linebacker und Defensive Backfield sind reihenweise verletzt ausgefallen. So reaktivierten die Warriors zwei Veteranen, Antonio Morisco und Christian Bolt. Beides eigentlich Coaches in der Defense. Morisco hatte vor acht Jahren seinen letzten Ernstkampf und trug zu Ehren seines Alters die 37, Bolt hatte vor drei Jahren seinen Rücktritt gegeben. Die Warriors verfügen zwar über ein ansprechend grosses Kader – aber die Saison ist weit fortgeschritten. Verletzungen gibt es immer, es ist jedoch auffällig, dass es in diesem Jahr insbesondere eine ganze Reihe bestens trainierter Starter trifft. Rookies können die fehlenden Stammspieler sicherlich punktuell ersetzen – die Unterschiede sind aber klar sichtbar. Weiter ist man auf Positionen wie dem Kicker nicht optimal besetzt, es fehlt auch hier ein Spezialist der nicht weitere Aufgaben auf dem Feld übernehmen muss. 

Basel Gladiators vs. Winterthur Warriors 62:65 (OT) (0:12  / 21:22 / 28:6 / 10:19 / OT: 3:6)
Rankhof, Basel

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