¿Quién es Guillermo Daruich?

Der Mexikaner Guillermo Daruich ist seit letztem Herbst der neue Trainer der Winterthur Warriors. Er hat einen langen und ungewöhnlichen Weg hinter sich.

Völlig entspannt sitzt er vor seinem Kaffee. Rührt kurz um, dann nimmt er einen Schluck, stellt die Tasse ab, lehnt sich im Stuhl nach hinten und fragt mit einem breiten Lächeln auf Englisch: «So, was willst du wissen?»

Guillermo Daruich, 36 Jahre alt, ist der neue American-Football-Coach der Winterthur Warriors. Vor allem erstaunlich, Daruich – oder einfach nur Coach, wie ihn alle nennen – ist Mexikaner. Er ist in der Stadt Puebla aufgewachsen, rund 130 Kilometer von Mexiko-Stadt entfernt. Puebla war einst berühmt für die Herstellung des VW Käfers, auch heute werden dort noch verschiedene Volkswagenmodelle wie Jetta, Golf oder der Tiguan gebaut.

 Erste Berührung mit American Football

Er selber interessierte sich aber kaum für Autos. Lieber beschäftigte er sich mit American Football. Als ihn sein älterer Bruder zum ersten Mal zu einem American-Football-Spiel mitnimmt, hat es ihn gepackt. Es sollte seine grosse Leidenschaft in seinem Leben werden.

In der Highschool lernt er erstmals alle Facetten der Sportart kennen. Er spielt Offensive Lineman, das heisst, er muss die dicken, schweren Jungs blocken, die seinen Spielmacher zu Boden bringen wollen. Eine happige Aufgabe. Doch Dariuch selber ist auch kein scheues Reh. Rund 135 Kilo wiegt er in seiner letzten Highschool-Saison – bei 1.80 Meter.

Nach der Highschool kommt bei Dariuch die Frage auf, was er mit seinem Leben anfangen will. Er würde gerne die Welt sehen. Der Zufall will, dass einer seiner Kollegen von der Highschool ein Angebot der Zürich Renegades, dem Kantonsrivalen der Winterthur Warriors, erhält. Sein Kollege nimmt ihn 2011 mit in die Schweiz.

Eines Tages entschliesst er sich, ein Probetraining bei den Winterthur Warriors zu absolvieren. Es sollte der Anfang einer langen Beziehung werden. Zwei Jahre lang spielt Dariuch als Offensive Lineman in Winterthur, trifft in dieser Zeit auch seine jetzige Ehefrau Luzia Steu, die damals Cheerleaderin bei den Warriors war – und wieder ist. Mit ihr geht er 2013 wieder zurück nach Mexiko, um an der Universidad de las Americas (UDLAP) sein Studium der Kommunikationswissenschaften abzuschliessen. Anschliessend erwirbt er einen Mastertitel in Sportpsychologie.

Schweiz oder Mexiko?

Während seiner Zeit an der UDLAP machte er auch seine Anfänge als Trainer. Bei den UDLAP Aztecas übernimmt er die Offensive Line und Linebacker Coach. «Eine wertvolle Erfahrung. Ich hatte noch kaum Ahnung von Coaching und war froh, dass ich dort meine erste Chance erhalten habe.»

Ins kalte Wasser wird er aber nicht geworfen. Dies dank seinem ehemaligen Trainer bei den Aztecas, dem Schweden Thorbjorn “Toby” Johansson. Er war es, der Dariuch die Grundzüge des Footballs beigebracht hat. Er war es auch, der ihn in seinem Leben am meisten geformt hat. «Für Per ging es nie nur um Football. Es ging immer auch ums Leben, um die Person.» 

Von ihm hat Dariuch auch gelernt, dass Gewinnen nicht alles ist auf dem Platz. Es geht auch um Durchhaltevermögen. Kämpfen, auch wenn man am Boden ist. Aufstehen, auch wenn man unten ist. Alles Eigenschaften, die Dariuch sichtlich verinnerlicht hat.

Nach seinem Abschluss stellt sich dann die Frage, ob er und seine Frau – sie haben 2014 in Puebla geheiratet – in Mexiko bleiben oder in die Schweiz ziehen sollen. Schlussendlich entscheiden sie sich für die Schweiz.

Er fragt Ende 2018 bei den Verantwortlichen der Warriors nach, ob im Trainerstab etwas frei ist. Und Dariuch hat Glück. Die Wege des alten Trainers und den Warriors haben sich getrennt, der Klub ist auf der Suche nach einem Nachfolger. Die Entscheidung fällt schlussendlich auf den 36-jährigen Mexikaner. Auch weil er die Mannschaft aus seiner Zeit in der Schweiz bereits kennt. Und weil der Coach bei allen gut ankommt. Dariuch hat für jeden seiner Spieler ein Ohr offen, offeriert jedem Unterstützung, auch wenn er sie nicht braucht. Er kümmert sich um seine Spieler. Und er will ihnen nicht nur Football beibringen. Sondern auch was fürs Leben.

«Es geht nicht nur ums Gewinnen, ich will meinen Spieler auch anderes mitgeben. Dass man zum Beispiel bei gewissen Dingen einfach auf die Zunge beissen muss. Dass es nicht immer einfach ist im Leben. Aber dass man alles schaffen kann, wenn man es will.»

Daruich schaut auf seine Uhr. «Hoppla, schon so spät. Tut mir leid, ich muss gehen, ich muss noch das Training für heute Abend vorbereiten. Es gibt noch viel zu tun vor dem Saisonstart», sagt er mit einem zwinkern und steht auf.

Die neue Spielzeit wird zur Bewährungsprobe. Nicht nur für die Warriors, sondern vor auch für Daruich.