Warriors mit viel Pech im 2019

Die Warriors konnten in den vergangenen Jahren schon viele grosse Gegner auf dem Deutweg herausfordern – insbesondere die Calanda Broncos treffen hier immer wieder auf harte Gegenwehr. Der Meister aus Graubünden musste mehrfach schon als Verlierer nach Hause. Und fast hätte es wieder geklappt. Die Vorzeichen standen in diesem Jahr jedoch ganz anders. Die Warriors hatten in diesem Jahr viel Pech oder stolperten über das eigene Unvermögen. Und personell sind die Warriors zwar gut aufgestellt, aber jeder Importspieler hat sich schon mindestens einmal verletzt. Und nun auch noch das: Wie man auf Seiten der Warriors am Samstag offiziell vermeldete, hat sich Spenser Lewis, der amerikanische Quarterback der Winterthurer im Spiel gegen Genf schwerer verletzt als angenommen. Lewis hat sich entschieden, die Therapie in den USA fortzusetzen weshalb er in wenigen Tagen abreisen wird.

Winterthur Warriors setzen auf eigenen Nachwuchs

Als neuer Quarterback für die Warriors auflaufen wird Richard Wartmann. Der Ostschweizer hat die ganze Juniorenausbildung der Warriors durchlaufen und ist seit 2018 Mitglied der ersten Mannschaft. Schon in den vergangenen Jahren konnte er erste Nationalliga A Erfahrung sammeln und wurde regelmässig eingewechselt. Den Saisonabschluss 2018 bestritt er ebenfalls als Starting Quarterback, weil sein amerikanischer Vordermann sich verletzt hatte. Die Warriors sind damit eines der wenigen Nationalliga A Teams, das über einen selbst ausgebildeten Quarterback verfügt, der mit den eingekauften Spielern mithalten kann. Was wiederum ganz andere Möglichkeiten eröffnen kann. Sei es indem die Mittel anders verteilt werden oder künftig anstelle eines amerikanischen Quarterbacks ein anderer Spezialist eingestellt wird. Wichtig wird sein, dass auch hinter Richi Wartmann die nächsten Quarterbacks aufgebaut werden – die Chancen stehen gut, dass aus der U19 weitere Quarterback Talente herangezogen werden können.

 

Typischer Broncos Start

Auf dem Rasen begann das Spiel in typischer Broncos Manier. „Wir wollen immer schnell starten und punkten“ war die Aussage des Bündner Trainers in einem Interview in den letzten Tagen. So nutzten sie die Startphase des Spiels und überraschten die Warriors mit einem Trickspielzug, welcher direkt zum Touchdown führte. Danach erhöhten sie mittels Field Goal auf 10:0, ein krasser Fehlstart für die Warriors. Mit dem Rücken zur Wand drehten die Winterthurer aber auf. Hinter der hervorragend arbeitenden Offensive Line tankte sich Richard Wartmann gleich selber in die Endzone und verkürzte auf 6:10. Im zweiten Viertel wurde Pascal Rüegg mit einem Pass bedient. Rüegg überspurtete die Bündner Defense und die Warriors konnten mit 13:10 in Führung gehen.

Kleiner Schubser – grosse Wirkung

Nur wenige Minuten später fing Finn Seidelmann einen Riesenpass von Richard Wartmann und lief in die Endzone. Aber der Touchdown wurde wegen einem Pass Interference aberkannt. Seidelmann hatte seinem Gegner einen leichten Schubser verpasst. Fast exakt dieselbe Situation sollte sich später noch einmal wiederholen – dann aber beim ex-FCW Goalie Yannick Bünzli. Weiter wurde ein Touchdown aufgrund eines Holdings nicht gegeben. Nicht auszudenken, was auf dem Deutweg los gewesen wäre, wenn diese Spielsituationen von den Referees anders beurteilt worden wären und die Warriors plötzlich mit zwei Touchdowns in Führung gelegen hätten.

 

Warriors kommen hellwach aus der Pause

Nach der Halbzeit starteten die Warriors fulminant ins dritte Viertel. Der Returner aus Chur wurde weit in der eigenen Hälfte gestoppt, danach folgten drei unvollständige Pässe des US-Profi-Quarterbacks in Folge und die Warriors kamen wieder in Ballbesitz. Die Warriors wollten in der zweiten Hälfte mit gleichem Druck weiter spielen. Wartmann setzte zu einem Lauf durch die gegnerischen Reihen an, ging zu Boden und blieb liegen. Auf der Tribüne begannen sofort die Diskussionen. Was, wenn nun der neue Quarterback auch verletzt ausfällt? Und so kam es. Wartmann wurde von der Winterthurer Medical Crew vom Feld geführt und sofort untersucht.

Entgegen den Erwartungen vieler Zuschauer waren die Warriors aber bestens auf diese Situation vorbereitet. Sofort übernahm Finn Seidelmann den Posten des Quarterbacks. Nach vier Spielzügen folgte der nächste Schock. Eben dieser Seidelmann, Quarterback Nr. 3, nahm den Ball, schaltete mehrere Broncos Verteidiger aus, lief über die rechte Aussenlinie und fiel rückwärts auf seine linke Hand. Mit Verdacht auf eine Fraktur musste auch Seidelmann nun ausscheiden. Die Röntgenaufnahmen am Abend widerlegten die Diagnose, trotzdem ist nicht klar, ob Seidelmann vor Ende der Saison noch einmal auflaufen kann.

Quarterback #4 erhöht die Führung der Warriors gegen den Tabellenleader

Nun übernahm Jonas Pflüger den Posten als Spielmacher und erzielte drei Spielzüge später den nächsten Winterthurer Touchdown zum 20:10. Eine unglaubliche Geschichte! Weil Wartmann definitiv nicht mehr ins Spiel zurückkehren würde, blieben die Warriors mit Pflüger als Quarterback auf dem Feld.

Jonas Pflüger – #33 / Quelle: Anton Rothmund / portraitphoto.ch

Aber die Serie an Verletzungen riss nicht ab. Unter anderem Flo Hügin, der starke Runningback und Zuzug aus Basel, musste verletzt vom Platz. Craig Oliphant an der Offensive Line war schon länger ausser Gefecht. Diese Schwächen konnten die Broncos nutzen. Sie konnten im dritten Viertel auf 20:16 verkürzen und knapp 3 Minuten vor Schluss mit einem Touchdown wieder die Führung übernehmen. Die Warriors gaben immer noch nicht auf, aber am Schluss waren die Broncos die sehr glücklichen Sieger. 

 

 

Ausgezeichnete Teamleistung wird nicht belohnt

Das Spiel gegen die Broncos dürfte die bislang mit Abstand beste Leistung der laufenden Saison gewesen sein. Die Winterthurer Mannschaft konnte den vermeintlich übermächtigen Gegner über weite Strecken kontrollieren. Die Teamperformance der Warriors war hervorragend, es fehlte das Wettkampfglück, der aberkannte Touchdown und natürlich hatten die riesigen personellen Verluste einen erheblichen Einfluss auf die zweite Spielhälfte. Selbstverständlich war die Enttäuschung sehr gross, jedoch bewies die Mannschaft endlich wieder den geforderten, Kampf-Charakter, den man im ersten Spiel so loben konnte. Der danach aber abhanden gekommen ist. Nun folgen die entscheidenden Spiele gegen die Geneva Seahawks in Genf sowie danach die zwei Heimspiele zum Abschluss der Saison. Am 15. Juni kommt es zum Showdown gegen die Luzern Lions. Der Sieger aus diesem Spiel dürfte sich den Klassenerhalt sichern können. Der Verlierer wird mit grösster Wahrscheinlichkeit den Weg ins Relegationsspiel antreten müssen.

Winterthur Warriors vs. Calanda Broncos 20:23 (6:10 / 7:0 / 7:6 / 0:7)
Stadion Deutweg, Winterthur – 535 Zuschauer